Juliet nach der Apokalypse – Mathieu Turis «Hostile»

Endzeit-Sci-Fi mal anders: Mathieu Turis erster Langspielfilm überzeugt mit einem wirklich originellen Horror-SF-Film, bei dem die Dialoge manchmal etwas hölzern wirken. Dies tut dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch.

Juliet (Brittany Ashworth) ist arm. Sie lebt in New York; draussen regnet es, sie sucht Zuflucht in der Galerie von Jack (Grégory Fitoussi). Dort wird Francis Bacon ausgestellt – sie hat noch nie von ihm gehört. Doch Jack verliebt sich in die peppige Juliet. Nach einer grossen Katastrophe verlieren sich die zwei aus den Augen. Juliet reist wie Mad Max durch das Ödland, verletzt sich und muss sich ganz alleine gegen feindliche Gestalten verteidigen…

Juliet (Brittany Ashworth)– leicht gestresst. (Bild: zVg)

Franzosen, die auf Englisch drehen – der bekannteste unter ihnen ist zweifellos Luc Besson. Aber auch weniger bekannte Berufsleute wie Romain Basset («Horsehead») oder nun Mathieu Turi drehen in der Sprache Shakespeares. Die Dialoge wirken dabei manchmal zugegebenermassen etwas hölzern. Wie aber auch bei «Horsehead» überwiegt doch am Schluss der positive Gesamteindruck, da die Filmemacher in beiden Fällen dem Genre (Horror bzw. SF) neue Facetten abgewinnen können.

Interessant ist dabei, dass in beiden Fällen  bildende Kunst eine wichtige Rolle spielt. in «Horsehead» war es der Anglo-Schweizer Fuseli, diesmal ist es Francis Bacon, der hier mehr als nur zitiert wird. Anselm Grün sagt: «hässlich» komme von «Hass», das «Schöne» aber vom «schauen». Nur durch wirkliches Schauen kann man die Schönheit entdecken. Das sagt auch der schöne Jack in «Hostile» zu Juliet. Interessant in diesem Zusammenhang: «hostile» heisst «feindlich», der lateinische «hostis» ist aber etymologisch mit dem deutschen «Gast» identisch [1]; ganz analog zum griechischen «xenos», der sowohl den Gast als auch dem Fremden bezeichnet.

Wie «Lady Bird» ist «Hostile» darüber hinaus auch ein Film über soziale Schicht als erlebte Kategorie. Die unterprivilegierte Juliet trifft den mehr als nur wohlhabenden französischen Galeristen Jack. Sie verlieben sich und ihre Liebe hat Bestand, gegen alle Widerstände. Mehr sei hier aber nicht verraten! Turi erzählt nichtlinear und gerade die Gegenüberstellung von der prä- und der postapokalyptischen Welt vermag immer wieder zu überzeugen.

«Hostile». Frankreich 2017. Regie: Mathieu Turi. Mit Brittany Ashworth, Grégory Fitoussi, Javier Botet, Jay Benedict, David Gasman, Aton u.a. Premiere am 7. Juni 2018 im B-Movie Basel, www.b-movie.ch

[1] https://en.wiktionary.org/wiki/hostis#Latin