Das andere Pakistan – Paolo Polonis «Mulhapar»

Der Schweizer Dokumentarfilmer Paolo Poloni («Salonica») zeigt ein uns unbekanntes Pakistan, in dem Muslime und Christen friedlich zusammenleben.

Mulhapar ist ein Dorf in Pakistan, in dem Muslime und Christen friedlich zusammenleben. Das heisst aber nicht, dass die zwei Bevölkerungsgruppen über die gleichen Rechte verfügen: die Muslime besitzen das Land, die Christen arbeiten darauf. Oder anders ausgedrückt: zu dem 80% der Muslime gehört auch die Klasse der Landlords, während zu den 20% Christen keine gehören. Ursprünglich – dies wird im Film von einem Christen angedeutet – waren die Christen «Heiden», erst die bleichen Engländer haben ihnen die christliche Religion nähergebracht und sie so zivilisiert. Den gesellschaftlichen Aufstieg hat ihnen das aber nicht gebracht; wahrscheinlich sind sie immer noch eine subalterne Klasse – wie schon vor Ankunft der Briten. Und trotzdem scheint das Zusammenleben friedlich: Zwei Schülerinnen sind gar beste Freundinnen, trotz den verschiedenen Religionen. Poloni zeigt auch nach Pakistan zurückgekehrte Migranten, die einerseits auf die wirtschaftliche Misere in Pakistan, aber natürlich auch diese im Westen verweisen. Wer also einen italienischen sprechenden Pakistani in der pakistanischen Provinz hören will, darf diesen Film nicht verpassen!

Arbeiten in Mulhapar - das heisst auch Bälle nähen für den reichen Westen.. (Bild: zVg)

Arbeiten in Mulhapar – das heisst auch Bälle nähen für den reichen Westen.(Bild: zVg)

Polonis Film wirft einen Blick auf ein uns völlig unbekanntes Pakistan, das so gar nicht dem Klischee entspricht. Hier gibt es keinen Hass zwischen den Konfessionen, und wenn dieser zum Ausdruck kommt, dann am ehesten noch in den Worten einer Muslimin, die sich über die angeblich nicht mehr so unterwürfigen Christen echauffiert. Sicherlich haben die Christen hier nur wenig zu sagen; es sind die Muslime, die in Mulhapar den Ton angeben. Und doch sind natürlich Christen wie Muslime in Mulhapar vor allem eins: Pakistani. Beide sind in ihrem Land verwurzelt und leben eine einheimische Version des Glaubens, der ja in beiden Fällen letztlich aus dem Nahen Osten stammt. Und beide praktizieren das auch in anderen Teilen Südasiens sehr populäre Cricket (auch wenn Hockey der Nationalsport ist). Auch ein Transvestit kommt im Film vor – seine Funktion als Wedding Planner o.ä. hat wenig zu tun mit Christentum oder Islam. Auch hier zeigt sich, wie andere bzw. frühere Traditionen noch weiterleben. Poloni legt also einen interessanten Dokumentarfilm vor, der stilistisch sicherlich keine neuen Wege beschreitet und die Bilder und Menschen für sich selber sprechen lässt. Mehr muss er aber auch nicht.

«Mulhapar». Schweiz 2014. Regie: Paolo Poloni.  Dokumentarfilm. Deutschschweizer Kinostart: 4.12.2014.

: 4.12.2014.

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