gesichtet #98: Das drollige Trillengässlein

Von Michel Schultheiss

Hinterhofambiente trifft hier auf Freilichtmuseumskulisse: Dieses eine Gässlein will nicht so richtig in die pittoreske Umgebung passen. Von der Schnabelgasse aus führt die Treppe zum Unteren Heuberg, jenem schönen Strassenzug mit den überwachsenen alten Häusern. Während rundherum alles herausgeputzt ist, scheint das Trillengässlein das Schmuddelkind der Altstadt zu sein und im Kleinformat das Steinenbachgässlein, wie es zu früheren Zeiten noch war, zu imitieren.

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Das Tor vom herausgeputzten Unteren Heuberg zum schmuddeligen Trillengässlein, dessen Name ein Rätsel bleibt (Foto: smi).

Obschon mitten im schmucken historischen Zentrum gelegen, ist die Gasse meist leer. Bloss zur Fasnachtszeit, wenn sich die Cliquen dem «Gässle» widmen, kommen die «Stapfeln» zum Zug – schliesslich befindet sich unter ihm das Restaurant «zum Schnabel», eine fasnächtliche Hochburg. Auch wenn die Treppe im Gegensatz zum Gansgässlein leicht zu finden ist, bleibt es ziemlich verwahrlost – von daher wuchern hier nicht nur die Kletterpflanzen, sondern vor allem Tags und Graffiti.

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Schon manche haben hier ihre Spuren hinterlassen (Foto: smi).

Abgesehen vom lottrigen Erscheinungsbild sticht auch der seltsame Namen ins Auge. In der Tat gibt die Bezeichnung Rätsel auf. Ein Blick in das «Basler Strassennamen» von André Salvisberg bringt Aufschluss, aber auch noch mehr Rätsel: Seit 1710 ist der Weg als «Trüllengässlin bekannt». Woher aber das Wort «Trille» oder «Trülle» stammt, ist jedoch nicht gänzlich geklärt. Es könnte eine Art Drehkreuz für den Verkehr oder das Vieh gewesen sein. Es kann aber auch sein, dass die Gasse ihren Namen auch einem Käfig zur Bestrafung von Delinquenten verdanken – für diese Einrichtung fand der Begriff Trille ebenfalls Verwendung. Salvisberg nennt auch die Hypothese, dass ein gewisser Trillo, ein Anwohner, vielleicht für den Strassennamen Pate gestanden haben könnte.

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Ein Fundstück im Trillengässlein (Foto: smi).

Auf jeden Fall war die Gasse ursprünglich unter einem anderen Namen verzeichnet: Aus dem 14. Jahrhundert ist die Bezeichnung «Ob dem dürren Sod» überliefert, später war der schmale Durchgang als «Scherbengässlein» bekannt, teilweise auch als «Fischergässlein». Somit hat die relativ unscheinbare Aufstieg Richtung Gemsbergbrunnen einige Namenswechsel erfahren. Geblieben ist ihm ausgerechnet der rätselhafteste von allen. Doch dieser passt irgendwie ganz gut zum ebenso ausgefallenen Erscheinungsbild des Gässleins.

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Vom «Schnabel» geht’s die Treppe rauf (Foto: smi).

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