Cineastischer Brexit avant la lettre – James Watkins «Bastille Day»

James Watkins hat mit «The Woman in Black» gezeigt, dass er ein solider Handwerker ist. In «Bastille Day» geht es eigentlich nur um die sehr rasante Action. Der ideologische Überbau ist aber auch nicht zu verachten und gerade im Zusammenhang mit der heutigen Abstimmung in Grossbritannien von Interesse. Idris Elba macht als Actionheld eine gute Figur.

Paris. Michael (Richard Madden) ist ein professioneller Taschendieb – der beste im Business. Als er aus Versehen einen Teddy klaut, denkt er sich nichts Böses dabei und lässt ihn liegen. Doch der Bär hat es in sich – und schon ist der Amerikaner Michael Terrorverdächtiger, gejagt von der französischen Polizei. Doch das CIA weiss, dass da mehr dahinter steckt – Sean Briar (Idris Elba) rettet das Abendland und natürlich auch den cleveren Michael, der diesmal aber doch Hilfe braucht.

Breixt: immer geradeaus ins Desaster... (Bild: zVg)

Cineastischer Brexit? Immer geradeaus ins Desaster… (Bild: zVg)

Idris Elba als Actionheld à la Bond – das ist schon mal eine gute Idee. Der Film beginnt denn auch vielversprechend, doch das Drehbuch (incl. die Dialoge), das Regisseur Watkins zusammen mit Andrew Baldwin verfasst hat, kann nicht bis an den Schluss fesseln. So oder so steht hier fast von Anfang an die Action im Vordergrund – aber der ideologische Überbau ist auch nicht zu verachten. Schliesslich ist es hier das CIA, das den Durchblick hat, während die französischen Behörden von Kriminellen unterwandert ist und völlig ahnungslos ist.

Mit «The Woman in Black» hat James Watkins den Namen Hammer wiederbelebt und offenbar beim erfolgreichsten britischen Horrorfilm überhaupt Regie geführt. Ob «Bastille Day» auch so erfolgreich wird, ist nicht (mehr) zu erwarten, aber der Film wird mit seiner Mischung aus Action, Thriller und aktuellen Themen (soziale Unruhen, Terrorismus usw.) sicherlich sein Publikum finden. Mit einem etwas besseren Drehbuch und witzigeren Dialogen hätte der Film sicherlich punkten können – James Watkins hat hier zu sehr der rasanten Action vertraut. Geradezu selbstironisch mutet es dabei an, dass hier der schwarze Brite Idris Elba den amerikanischen Pseudo-Bond spielt, während beim echten 007 der Hauptdarsteller wohl weiss und britisch (bzw. australisch wie Lazenby oder irisch wie Brosnan) sein muss. Sean «P. Diddy» Combs hat sich ja denn auch umsonst für den Job als 007 beworben… und nicht nur Elba, sondern auch Michael Mason ist Brite. Insofern wirkt der Film schon fast als Bond-Parodie: Briten inszenieren einen amerikanischen Bond mit Briten in den Hauptrollen, mit Briten als Drehbuchautoren und einem britischen Regisseur.

Ob hier der Brexit bereits anklingt? Hat sich Grossbritannien hier im Film bereits von Europa verabschiedet? Wobei es interessanterweise hier ja die USA sind, die Frankreich retten – und nicht Britannien selbst. «Talk about a special relationship…» – vielleicht identifizieren sich viele Briten eben doch mehr mit den USA als mit Europa. Und wenn es heute Donnerstag zum Brexit kommt, dann verabschiedet sich Grossbritannien auch endgültig von Europa und wird – wie dieser Film – amerikanischer, obwohl die Menschen (wie Elba, Watkins und die meisten anderen Beteiligten) natürlich eigentlich immer noch Europäer bleiben. Und: ob es nach einem Brexit überhaupt noch zu solchen (britisch-französisch-amerikanischen) Koproduktionen kommt?

 «Bastille Day». UK/F/USA 2016. Regie: James Watkins. Mit Idris Elba, Michael Mason, Charlotte Le Bon, José Garcia, Eric Ebanouey, Anatol Yusef u.a. Deutschschweizer Kinostart am 23.6.2016.

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