gesichtet #136: Alkoholgetränkte Hitlerwitze an Basels bizarrster Graffitiwand

Von Michel Schultheiss

Trotz H-Wort hält es dieser Schriftzug schon ziemlich lange an der Schönaustrasse aus. Bereits seit mehreren Monaten ist dort ist der sinnige Satz «Nüchtern sein ist wie Heil Hitler sagen» zu lesen. Diese Gegend im Basler Rosental-Quartier wird somit um eine Kuriosität reicher: An der gleichen Strasse befindet sich auch das bunten «Haus der Nationen». Während der Fussball-EM werden dort wieder fleissig die Flaggen gehisst. Gleich in der Nähe kann auch das inoffizielle Theobald Baerwarts Gässli, eine Art Stichweg, der dem Basler Dichter gewidmet ist, begangen werden.

Nüchtern sein ist wie Heil Hitler sagen

Besoffen gegen Nazis:  Im Nirgendwo zwischen Spassgesellschaft und Subversion wird die eigentlich konservativste aller Drogen zumindest auf der Fassade an der Schönaustrasse zum Antifa-Treibstoff (Foto: smi).

Irgendwann einmal im Frühling schaffte es auch der Schriftzug in grellem Orange an die Kleinbasler Fassade. Was uns auch immer der «Künstler» damit sagen wollte: Irgendetwas mit Hitler zieht jedenfalls immer als ein Hingucker. Am konsequentesten hat dies wohl der «Spiegel» mit seinen obligaten Titelbildern mit dem Diktator vorgeführt.

Auch das Känguru-Manifest von Marc-Uwe Kling setzt sich mit dieser Frage auseinander: Das Beuteltier möchte das geplante Buch des Mitbewohners «Hitler Terror Ficken» nennen – dieser Titel sei ja schliesslich verkaufsfördernd. Zweifel daran, ob dieser auch zum Buch passt, lässt das Känguru nicht gelten: Der Zusammenhang zwischen Bezeichnung und Inhalt sei ohnehin völlig überbewertet – schliesslich heisse die Tomatencremesuppe etwa auch nicht Geschmacksverstärkerbrei.

Der kontextunabhängigen Wirksamkeit von Hitlersprüchen muss sich wohl auch der unbekannter Sprayer an der Schönaustrasse bewusst gewesen. Vielleicht geschah die Aktion eben gerade nicht in nüchternem Zustand. Saufend gegen den Totalitarismus. Diese Antifa-Alkoholapologie an der Hauswand könnte glatt ein Songtitel der Hip-Hop-Gruppe «Deichkind» sein: Im Nirgendwo zwischen Spassgesellschaft und Subversion wird die eigentlich konservativste aller Drogen zum Treibstoff einer vermeintlichen Aufmüpfigkeit.

Schöne Frau, die hier wohnt

Charmante Worte gleich neben dem «besoffenen Hitler» (Foto: smi).

Der Verdacht liegt nahe, dass ein anderer Schriftzug vom gleichen Urheber stammt: «Schöne Frau, die hier wohnt, wir mögen dich», war gleich nebenan an einem Hauseingang zu lesen. Die holde Dame wird hier vom Nachtbuben-Romeo ebenfalls in oranger Farbe bezirzt. Was auch immer die Geschichte dahinter sein mag: «Botschaften» dieser Art tauchen immer wieder wie von Geisterhand in Basel. Ob die Wut auf die Rabatten oder Aufwertungsdiskussion im Stil von Klings Känguru: An Material für Leute mit ausgefallenem Mitteilungsbedürfnis mangelt es jedenfalls nicht.

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