gesichtet #135: Der König von Portugal meldet sich zurück

Von Michel Schultheiss

Einst sah man ihn Samstag für Samstag in der Freien Strasse. Stets weibelte er dort für die Monarchie: Herr Godinho alias Dom Manuel III liess sich mit seinen Ansprüchen auf die portugiesischen Krone nie entmutigen.

Dom Manuel_Bern

Weiterhin auf der Suche nach «politischem Asyl»: Der verkannte Prinz von Portugal verlagert nun seine Aktionen von Basel nach Bern (Foto: smi).

Man erinnere sich: Seine Plakate in unzähligen Sprachen und die Heuschrecke als Maskottchen waren seine Markenzeichen. Vom Rechtsaussen-Politiker Eric Weber liess er sich anscheinend doch nicht vor den Karren spannen – stattdessen verfolgte er vor dem Rathaus oder bei den Einkaufsmeilen seine königlichen Ziele auf eigene Faust weiter. In letzter Zeit ist es jedoch ruhiger um den verhinderten Monarchen geworden. Der Mann mit Hut, Krücken und Bart schien wie vom Erdboden verschluckt.

Andere ungewöhnlichen Persönlichkeiten, die den Charakter einer Stadt letztendlich ausmachen und deren Gleichförmigkeit durchbrechen, waren in letzter Zeit im Gegensatz zu Dom Manuel III noch immer sehr aktiv: Der Geheimagent wartet weiterhin geduldig beim Bahnhof; gleich davor bietet nun der obdachlose Marcel als Security-Mann den Passanten Schutz im Verkehrsdschungel an. Die Frau mit dem schlohweissen Haar schenkt noch immer den Leuten ihr unverkennbares Lächeln samt Luftumarmung – sei es beim Andreasplatz, bei der Synagoge oder in der Uni. Narcis ist mit den Äpfeln und Mandarinen nicht mehr so oft beim Barfi, dafür umso mehr im Klybeck unterwegs und die Akkordeonistin vor dem Coop Pronto spielt unermüdlich ihr Repertoire rauf und runter. Auch der Atheist mit den bekanntesten selbstbedruckten T-Shirts und der brasilianische Medizinmann sind immer wieder im Kleinbasel anzutreffen. Basels bekanntester Uniformierter tritt hingegen in letzter Zeit etwas kürzer und geniesst lieber in Ruhe eine Zigarre beim Rhein.

Dom Manuel_Spielen und gewinnen

Was ist aber aus dem König von Portugal geworden? Nach einer längeren Pause hat er sich kürzlich wieder zurückgemeldet – allerdings nicht mehr in der Freien Strasse: Kürzlich verteilte er im Kannenfeldpark neue Flyer. Wie er sagte, sei es ihm nicht mehr erlaubt, in der Innenstadt zu werben. Gründe davor konnte er aber nicht nennen. Jedenfalls habe ihm die Polizei sowohl in Basel wie auch in Strassburg seine Aktionen untersagt. Wie dem auch immer sei: «Prinz Dom Manuel III von Europa Hohenzollern Borbone Bourbon Bragança» hat nicht mehr das Basler Rat-, sondern das Bundeshaus im Visier: Die 54. Manifestation wird auf dem Bärenplatz in Bern stattfinden. «Unsere Majestät, der Prinz von Europa» sucht nun also in der Hauptstadt Gehör für seinen Griff nach der Krone.

Auch auf seinem Blog kündigt er die Aktion an. Dabei verspricht Dom Manuel allen, die seine Thronansprüche unterstützen, auch weiterhin einen Preis: Wie auf dem Flyer steht, winkt denjenigen, die einen «Brief an alle Republiken» schreiben, immerhin ein Gewinn von 100’000 Euro.

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