gesichtet #59: Der Umzug der uniformierten Untoten

Von Michel Schultheiss

Manch eine Stadt hat ihre Unikate unter den Läden. Oft handelt es sich um Geschäfte mit nicht alltäglicher Ware – man denke etwa an den Elvis-Shop in Basel. Bisweilen ist es aber auch die eigenwillige Gestaltung der Schaufenster, welche einem Laden zu einer Bekanntheit verhilft: Der in dieser Rubrik schon einmal thematisierte Retro-Computerladen oder die Reiseagentur, welche nebenbei auch noch Zahn-Zangen feilbietet, wären hier zu nenne. Oder die Wäscherei, welche übrigens kürzlich ihr Aushängeschild gewechselt hat. Nicht zu vergessen sind auch die unzähligen Trödler-, Erotik-, Kitsch- und Hochzeitsläden mit interessanten Sortimenten.

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Noch nie konnte so gespenstisch für Arbeitskleider geworben werden: «Oskar’s Uniformes» in der Colonia Roma, Mexiko-Stadt (Fotos: smi).

Wenden wir aber mal den Blick von Basel ab: Auch bei einer Millionenstadt wie Mexiko-Stadt ist es naheliegend, dass sie eine oder andere Perle in Sachen Läden vorweisen kann. Eine davon wurde in der allerersten Zeitnah-Fotokolumne vorgestellt. Nach wie vor gibt es das Geschäft «Oskar’s Uniformes», welches womöglich mehr für seine gespenstischen «Bewohner» als für die eigentliche Ware bekannt ist. Inzwischen hat der Arbeitsuniformen-Laden mit den schauerlichen Schaufensterpuppen seinen Standort geändert. Weit weg sind die «lebenden Toten» nicht geschlurft. Ihr Zombie Walk endete bei der Nummer 362 der Verkehrsachse Insurgentes Sur. Die Untoten haben sich lediglich ein paar Häuserzeilen weiterbewegt und sind nach wie vor in der Colonia Roma, ihrem angestammten Stadtteil, anzutreffen. Der Unterschied ist nur, dass im schmaleren neuen Geschäft etwas enger zusammenrücken müssen.

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Wie kam aber der Laden zu seinen uniformierten Untoten? Selbst dem jetzigen Geschäftsführer Raymundo Rosales ist das ein Rätsel. «Die Puppen waren schon vor 30 Jahren hier, als ich den Laden übernahm», meint er. Er vermutet, dass sie schon zu Beginn des 43-jährigen Bestehens des Uniformen-Geschäfts zum Inventar des Ladens gehörten. Selbst bei Cineasten ist eigenartige Atmosphäre des Ladens auf Interesse gestossen: Es wurden sogar schon Filme in «Oskar’s Uniformes» gedreht – wenn auch keine Zombie-Streifen. Laut Rosales soll in einem von ihnen Telenovela-Schauspielerin und Sängerin Verónica Castro mitgespielt haben. Dem Geschäftsführer ist längst bekannt, dass er über die wohl gefragtesten Schaufensterpuppen des Distrito Federal verfügt. Schliesslich steckten die Infizierten einer Zombie-Epidemie noch nie in einer derart arbeitstauglichen Kluften.

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