Kritische Ökologie – Rezension «Die unheimlichen Ökologen»

Mehr als politische Polemik gegen die Ecopop-Initiative liefert ein Band, der als Reaktion auf die anstehende Abstimmung entstanden ist. Rezension von Martin Stohler.

Von Martin Stohler

Die Publikation «Die unheimlichen Ökologen» ist als Reaktion auf die am 30. November 2014 zur Abstimmung kommende Ecopop-Initiative entstanden und liefert zahlreiche Argumente gegen die Vorlage. In dem schmalen Büchlein lediglich einen eingängigen Argumentenkatalog gegen die Initiative zu sehen, wäre allerdings falsch.

Braun im neuen Komplementärgrün

Nichtsdestotrotz machen die Autorinnen und Autoren unmissverständlich klar, dass die zwei Stossrichtungen der Initiative – versuchte Abschottung der Schweiz, zehn Prozent der Entwicklungshilfegelder für Geburtenkontrolle – nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung führen. Sehr lesenswert ist dazu der Beitrag über «staatliche Bevölkerungskontrolle, Ressourcenknappheit und Wirtschaftswachstum im Spannungsfeld der Nord-Süd-Beziehungen» von Shalini Randeria, in welchem sie die Praxis der Familienplanungspolitik und deren Folgen in Indien und China untersucht. Balthasar Glättli und Pierre-Alain Niklaus ihrerseits zeigen auf, wie und von wem die unheilvolle Vermischung von Fragen der Ernährungspolitik, des Umweltschutzes und der Bevölkerungspolitik betrieben wurde und «dass diese lange Tradition auch ziemlich unheimliche Väter hat».

Quo vadis, Zukunft?

Da solche «Vermischungen» auch heute noch eine gewisse Anziehungskraft haben, wenn es um Umweltschutz und Verteidigung von Privilegien geht, ist es sinnvoll, sie zu kritisieren und ihren Hintergrund aufzuzeigen. Ebenso wichtig ist das, was Glättli und Niklaus in ihrem Schlusswort – wenn auch erst in Umrissen – tun: Wege aufzeigen, die in eine nachhaltige, gerechte und menschenfreundliche Zukunft führen. Eine Herausforderung für die Grünen, aber auch für alle anderen, die sich Nachhaltigkeit und Menschenrechte auf die Fahnen geschrieben haben.

Balthasar Glättli und Pierre-Alain Niklaus (Hg.)
Die unheimlichen Ökologen – Sind zu viele Menschen das Problem?
Zürich, Rotpunktverlag 2014. 173 Seiten, 25 Franken. www.rotpunktverlag.

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