Rennen gegen den Rassismus – Stephen Hopkins‘ «Race»

Die Olympischen Spiele, 1936 in Nazi-Deutschland. Der australisch-britisch-jamaikanische Regisseur Stephen Hopkins erzählt, wie Jesse Owens, ein Afroamerikaner, ausgerechnet im Staat des Rassenwahns triumphierte.

Jesse Owens ist der erste in seiner Familie, der aufs College kann.  Für ihn und seine afroamerikanische Familie ist das an sich schon ein grosser Triumph. Auf dem College wird er als grosses Renntalent entdeckt – und sein Coach hat grosse Pläne für ihn: er soll ausgerechnet in Nazi-Deutschland die USA vertreten, zusammen mit weissen Kollegen. Doch nehmen die USA überhaupt Teil am Wettbewerb im NS-Staat? Avery Brundage (Jeremy Irons) will dies sicherstellen, verlangt aber im Gegenzug von den Nazis Konzessionen…

Stephen James als J.C. "Jesse" Owens. (Bild: zVg)

Stephen James als Jesse Owens. (Bild: zVg)

Der Film des Routiniers Stephen Hopkins («The Ghost and the Darkness», «Under Suspicion», «The Life and Death of Peter Sellers») – eine deutsch-kanadische Koproduktion – fokussiert clever auf verschiedene Handlungsstränge: die Geschichte von Jesse Owens, die von Brundage und seinem Umgang mit den Nazis, die von Leni von Riefenstahl, die Owens Triumphe auf Zelluloid festhalten will. Und last but not least der Rassismus und Antisemitismusi n den USA selbst, der wohl auch an Brundage selbst nicht spurlos vorbeigegangen ist. Der Film ist natürlich gerade jetzt – wo Gewalt von und gegen Polizisten in den USA im Gespräch ist – besonders aktuell.

In einem gewissen Sinne ist Barack Obama natürlich auch ein Erbe von Jesse Owens. Beide zeigen, dass die USA fähig sind zum Wandel – allem systeminhärenten Rassismus zum Trotz. Aber das Erbe einer Sklavenhaltergesellschaft, die zudem auf dem Genozid der einheimischen Bevölkerung fusst, ändert sich eben nicht von einem Tag auf den anderen. Trotzdem sind die USA – anders als Nazideutschland, anders aber auch wohl als Erdogans Türkei – wirklich zum Wandel fähig. Das Versprechen von Inklusion mag zwar für viele Unterprivilegierte in den USA wie Hohn erscheinen, aber das Land von Jesse Owens ist eben nicht nur das Land von Donald Trump und David Duke, sondern auch das Land von Bill und Hillary Clinton, Barack und Michelle Obama, Malcolm X, Martin Luther King und ja, auch Louis Farrakhan. Das Land von Männern und Frauen, Evangelikalen und Gemässigten, Schwarzen und Weissen, Latinos und Asiaten. Deshalb wird Donald Trump auch sicher nicht Präsident von Jesse Owens‘ Land.

«Race». Kanada/Deutschland 2016. Regie: Stephen Hopkins. Mit Stephan James, Larry Snyder, Jeremy Irons, Carice Van Houten u.a. Deutschschweizer Kinostart am 28. Juli 2016.

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