gesichtet #109: Die vergessene Treppe

Von Michel Schultheiss

Eine verwahrloste Wasserfahrer-Ausstellung, eine Art Löwenkäfig und eine Mülldeponie sind die Highlights beim Auf- oder Abgang: Ein ziemlich klobiger grauer Treppenbau klebt neben dem Brückenkopf. Wer von der Feldbergstrasse aus ans Kleinbasler Rheinufer gelangen möchte, ohne einen grösseren Umweg in Kauf nehmen zu wollen, muss hier durch. Gleich neben einem Yoga-Club und dem Kampfsportladen Power Zone geht’s das Schattenloch runter. Womöglich haben wir es hier mit Basels versifftester Treppe zu tun – ein weiterer Vertreter der Reihe «Basels abgefuckteste Orte, die aber gerade deswegen interessant sind».

Treppe oben

Ein Bild vom Kunstkredit und eine etwas verblichene Wasserfahrer-Ausstellung sind quasi die Hauptattraktionen des Abgangs zum Rhein (Fotos: smi).

Die grauen Stufen bei der Johanniterbrücke sind vielleicht noch unwirtlicher als das Johann Jakob Spreng- Gässlein gleich nebenan – einer jener Durchgänge, die nachtsüber verschlossen werden können. Im Gegensatz zu diesem Nachbarsweg und so manchem anderen Trampelpfad hat aber die Treppe zum Rhein nicht einmal einen Namen – zumindest ist keiner ausgeschildert.

Gitter und Vitrine

Etwas Farbe bringen die Bilder von Hans Remond, die auch schon bessere Tage gesehen haben. Ob in der Breite, beim Galgenhügel, beim Theatergässlein oder im Steinenbachgässlein: Wo etwas als Unort ausgemacht wird, ist der Kunstkredit zur Stelle. Wo irgendeine Hinterhofgegend unter die Räder gerät, steht oft eine Plastik oder ein Wandgemälde, die dann mit der Zeit der Örtlichkeit anpasst, um nicht minder marode zu enden.

Bild Hans Remond

Dort trifft man auf eine wenig beachtete «Ausstellung» in der Museumsstadt. Vielleicht ist es auch diejenige, die schon am meisten verwahrlost ist: Pokale und Informationstafel des Wasserfahrvereins Horburg sind hinter den milchigen Scheiben zu sehen – als ob’s ein Pendant des berühmten Software-Ladens weiter vorne an der Feldbergstrasse wäre. Der Ankerplatz und das Vereinslokal mit einer «Klause» befinden sich am besagten Ort. Der Glanz der ruhmreichen Triumphe auf dem Rhein scheint hier ungewollt zu verblassen: Die Glaskästen sind etwas in die Jahre gekommen. Sperrige Gitter, Abfallsammlungen und manche Tags und antikapitalistische Parolen geben dem Ganzen noch den Schliff für ein Hinterhof-Ambiente.

Vitrine Wasserfahrverein

Allgemein ist über diesen Ort nicht viel in Erfahrung zu bringen. Es ist wohl einer dieser vergessenen Gegenden, die zwar begangen, aber doch selten wirklich wahrgenommen und auch schnell wieder verlassen werden. Aller Tristesse zum Trotz ist die Wasserfahrer-Ausstellung doch einen Besuch wert – wo sonst sieht man so etwas im Herzen der gehobenen Rheinufergegend.

Treppe von unten

Graffiti an der Treppe

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