gesichtet #117: Das Geheimnis des Hexenwaldes

Von Michel Schultheiss

Ein Graben, zwei kleine Holzbrücken und ein urchiges Rindenhäuschen sind in diesem kleinen Waldstück versteckt. Weiter vorne steht mitten auf dem sogar noch eine antik anmutende Säule. Zu sehen ist das seltsame Ensemble oberhalb vom Wenkenhof in Riehen. Wohl nicht ganz grundlos trägt der verwunschene Fleck den Kosenamen «Häxewäldli».

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Der Wackernagelpark, der besser unter dem Kosenamen «Bim Häxehüsli» bekannt ist (Foto: smi).

Besonders bei der Pfadi und Jungschar ist die abenteuerliche Anlage bestens bekannt. Dennoch sind die Informationen darüber schwer zu finden. Schon einmal war hier von diesem Ort beim Hellring die Rede und die Frage blieb offen, was dieses sonderbare Gelände eigentlich soll.

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Ein verwunschen wirkender Ort: Einst ein Wildgehege, dann ein romantischer Park (Foto: smi).

Ein Gang ins Archiv hat manches geklärt – so etwa den offiziellen Namen, der kaum gebräuchlich ist: Der Hexenwald heisst eigentlich Wackernagel-Park. Schon der frühere Besitzer Alexander Clavel verwendet in seinem «Buch vom Wenkenhof» von 1957 diese Bezeichnung. Er spricht vom alten Wackernagel-Garten «mit seinen Überresten romantischer Gartenfreuden». Benannt ist der englische Park nach dem Staatsarchivar Rudolf Wackernagel-Burckhardt (1855–1925), einem Mitbesitzer und Bewohner des Wenkenhofs. Das Wäldchen soll einer seiner Lieblingsorte gewesen sein. Vermutlich wurde die Parkanlage aber bereits in den 1780er-Jahren vom damaligen Wenkenhofbesitzer Johann Jakob Merian-De Bary (1741–1799) als Hirschengraben oder Wildpark angelegt.

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Stammt sie aus Augusta Raurica? (Foto: smi).

Tatsächlich stand einmal ernsthaft zur Diskussion, den Park «Bim Häxehüsli» zu taufen. Wie der damalige Gemeindepräsident Michael Raith in einem Bericht der Nomenklaturkommission von 2002 festhielt, wurde dieser Vorschlag jedoch abgelehnt. Raith argumentierte, dass der Name verharmlosend wirke und eher an Kasperlitheater denn an tragische Frauenschicksale erinnere. Die Suche nach Alternativen war nicht so einfach: Die Bezeichnung «Englische Anlage» war bereits für die Gegend bei der Reithalle vergeben.

Hexenwald Rindenpavillon 2 Kopie

Johann Jakob Merian als Namensspender erachtete Raith ebenfalls als keine gute Idee, da es bereits mehrere Strassen mit diesem Familiennamen gab. Ebenso wenig wollte er das ehemalige Gehege nach dem Rotwild benennen – Verwechslungen mit dem Tierpark Langen Erlen, den Hirschfiguren beim Wenkenhof, der Hirzenstrasse oder dem Hirzbrunnen sollten so vermieden werden. Daher zog die Kommission vor, den von Clavel verwendeten Namen weiterzuführen. Bis heute ist die Gegend aber für viele noch immer als der Wald beim «Häxehüsli» bekannt. Der Name Wackernagel-Park wird stattdessen seltsamerweise vom Erziehungsdepartement für den Wenkenhof-Kinderspielplatz (welcher gleich um die Ecke liegt) verwendet.

Hexenwald mit Säule 3 Kopie

Somit wäre wohl der Ursprung der Anlage geklärt. Wo hingegen Ursprung des Rindenpavillons – des eigentlichen Hexenhäuschens – liegt, ist nicht bekannt. Heute wird es von einer Waldspielgruppe genutzt. Es bleibt aber noch die Frage, was es denn mit der römischen Säule im Hexenwald auf sich hat. Vermutlich stammt sie aus Augusta Raurica. Wie dem Aufsatz «Antikenfieber in romantischen Gärten» von Marion Benz (et. al.) zu entnehmen ist, wurde nämlich um 1801 das Heiligtum Grienmatt richtiggehend geplündert. Bei der gebildeten Oberschicht galt es damals als schick, antike Objekte als Zierde in den Gärten, Lustpavillons und Villen aufzustellen. Manche Relikte gelangten von Augst nach Basel, darunter auch in den englischen Garten des Wenkenhofs. Ob die Hexenwald-Säule aber tatsächlich von dort stammt, müsste wohl ein Archäologe bestimmen.

Hexenwald 2

Dieser Text basiert teilweise auf dem Beitrag mit dem Titel « Verlassen und vergessen – die Faszination alter Bauten», welcher am 24.7.2015 in der Riehener Zeitung (Nr. 30, S.9) erschien. Dort werden vom gleichen Autor wie hier nebst dem Hexenhaus noch andere sonderbare Riehener Bauten wie der Bierkeller, das Geisterhaus vom Hungerbachweg und die Kapelle beim alten Friedhof beschrieben. Eine Fortsetzung zum Thema skurrile Kunstwerke und eventuell auch über Spielplätze in der Gemeinde ist für dieselbe Zeitung geplant. Weitere sonderbaren Riehener Pänomene aus der Reihe «gesichtet» sind der weisse Kater aus den Langen Erlen, der Hellring, das mittlerweile abgebrochene Graffitihaus und das Gstäderwegli.

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